HAIHuman Agent Interface

Proof · 19. Oktober 2026

Muss ich morgen einen Test schreiben?

Ein Abend, an dem meine Agenten eine einfache Frage nicht beantworten konnten – und wie daraus in einer Nacht Uni-Agenten wurden, die Kursdaten kennen und mir das Lernen trotzdem nicht abnehmen.

01 / Der Abend

Der Abend vor dem Kurztest

Am Abend vor meinem ersten Kurztest wusste ich nicht, ob ich am nächsten Tag einen Test schreibe oder einen Vortrag halte. Ich verkaufe Agenten – und meine eigenen Agenten konnten mir diese eine Frage nicht beantworten.

Sie gaben mir die Aufgabenfolie einer Abgabe, die erst elf Tage später fällig war. Sie sagten „Schauen Sie die Videos zum Zeitmanagement“, ohne zu sagen, welche. Die eine Folie mit dem Semesterplan – „20.10.: Kurztest 1, Anwesenheitspflicht, 10 von 100 Punkten“ – lasen sie nicht.

Ich habe meinen Frust einfach eingesprochen. Daraus wurde in einer Nacht ein Setup, das ich jetzt teile. Dieser Beitrag erzählt, was dabei über Agenten zu lernen war.

02 / Die Gleichung

Gute Beratung × echte Kursdaten

Guter Uni-Agent = klare Vorstellung von guter Beratung × echte Kursdaten.

Fehlt einer der beiden Faktoren, ist das Ergebnis null.

Ein Agent ohne Kursdaten rät. Er kennt weder Semesterplan noch Testtermine noch die Folie, auf der „Anwesenheitspflicht“ steht. Die Daten holt bei mir ilias-cli: ein Kommandozeilen-Tool, das jeden Morgen alles Neue aus ILIAS in meine bestehenden Studienordner lädt.

Ein Agent mit Daten, aber ohne klare Regeln, berät trotzdem schlecht. Er findet die richtige Folie und schätzt dann eine Videolänge. Diese Regeln konnte ich klar vorgeben, weil ich genau wusste, was mich an jenem Abend im Stich gelassen hatte: Beantworte meine Frage in der ersten Zeile. Nenne jede Frist mit Quelle. Trenne morgen von später. Schätze nie eine Zahl.

03 / Das Setup

Was in einer Nacht entstand

Auf meinem MacBook laufen jetzt sieben Agenten in Hermes, jeder mit einem Desktop-Icon. Gebaut habe ich sie zusammen mit Claude, während ich nebenbei die Zeitmanagement-Videos geschaut habe.

AgentWas er tutWas er nie tut
ILIAS-Agentgleicht jeden Morgen um 06:30 alle Kurse ab, schreibt eine Tageslage mit Fristen, warnt vor Terminkonflikten, schlägt Ablageorte für lose Dateien vorDateien löschen, ohne mein Ja verschieben, Kalender ändern
ein Fachagent pro Fachnennt die nächste Frist mit Beleg, erklärt, schreibt Karteikarten und fragt sie abfertige Abgaben schreiben, Zahlen raten

Drei Entscheidungen waren mir wichtig. Erstens: Lernen statt Abnehmen. Am Ende jeder Einheit stehen Karteikarten, und der Agent zeigt die Rückseite erst nach meiner Antwort. Zweitens: Meine Ordner bleiben meine Ordner, die Agenten passen sich an. Drittens: Hermes läuft immer. Fällt das Cloud-Modell aus, antwortet ein lokales Modell auf meinem M3 Max – getestet, indem wir die Cloud absichtlich abgeschaltet haben.

04 / Echt testen

Jeder Fehler wird eine Regel

Der erste echte Test fiel durch. Ich stellte dem Arbeitstechniken-Agenten genau meine verwirrte Frage vom Abend. Er antwortete in 27 Sekunden: richtig, dass es ein Test war – aber mit einer Videolänge von „ca. 11 Minuten“. Das Video dauert 26:58.

Genau das ist der Punkt: Ein Agent, der schnell und plausibel klingt, ist gefährlicher als einer, der „nicht belegt“ sagt. Also wurde jeder Fehler zu einer Regel, und der Test lief erneut.

Fehler im echten TestRegel danach
Abgabe in elf Tagen als Vorbereitung für morgenMorgen, diese Woche und später getrennt
„Schau die Videos“, ohne zu sagen welcheDateiname, Länge, Reihenfolge – kein Suchauftrag
Videolänge geschätztZahlen nur aus einer gelesenen Quelle
Teil der Frage ignoriertJeder Fragenteil bekommt eine Zeile
Falscher WochentagWochentage per date prüfen, nie im Kopf
Lernzentrum „heute 13–15 Uhr“ um 22 Uhr empfohlenNur Kommendes nennen
Sechs Minuten Wartezeit wegen Notion-AufräumenErst antworten, dann Notizen

Im zweiten Durchlauf bestand der Agent. Und die anderen fanden Dinge, nach denen ich nicht gefragt hatte: eine mögliche Teilprüfung in Informatik zwei Tage später, den MC-Test in Programmierung, ein laufendes Buchungsfenster für mein Vortragsthema. Und eine Kollision: Die Firmenkontaktmesse lag genau über dem Kurztest.

05 / HAI

Was das für HAI heißt

HAI steht für Human-Agent Interface: Der Mensch soll nicht länger die Schnittstelle zwischen seinen Agenten sein müssen. An jenem Abend war ich genau diese Schnittstelle – zwischen ILIAS, Kalender, Folien und Agenten. Jetzt holen die Agenten die Daten, belegen ihre Aussagen und melden sich, wenn etwas kollidiert.

Ein Detail zeigt die Richtung: Wenn der ILIAS-Agent auf einen Fehler in ilias-cli stößt, eröffnet er selbst ein GitHub-Issue – ohne Passwörter, ohne Kursinhalte, ohne Labels, die Automatik auslösen. Ob daran gearbeitet wird, entscheidet ein Mensch. Agenten melden, Menschen entscheiden.

Ehrlich bleiben gehört dazu. Das Setup hat einen Abend, zwei Neuinstallationen und mehrere kaputte Builds gekostet. Solange HAI so viel Einrichtung braucht, ist es ein Bastelprojekt und kein Produkt. Und die größte Gefahr ist meine eigene: Systeme zu bauen statt zu lernen. HAI ist dann stark, wenn es mir Zeit fürs Lernen freiräumt – nicht, wenn es mir das Lernen abnimmt.

06 / Mitmachen

Selbst ausprobieren

Das ganze Setup ist offen: Settingup-Uni-Agents-Hermes- auf GitHub, MIT-Lizenz. Du trägst deine Fächer in eine Datei ein, ein Skript erzeugt die Agenten, ein zweites installiert sie.

  1. config.example.toml kopieren und Fächer, Ordner und belegte Fakten eintragen.
  2. python3 build.py erzeugt die Agenten.
  3. bash scripts/install.sh installiert sie samt ilias-cli.
  4. Jeden Agenten einmal mit einer echten Frage testen, bevor du dich auf ihn verlässt.

Wenn deine Agenten auf Fehler in ilias-cli stoßen, dürfen sie gern ein Issue öffnen. So wird das Werkzeug mit jeder Nutzung besser.

Ob die Agenten am Testmorgen wirklich geholfen haben, ergänze ich nach dem Kurztest.

Human Agent Interface

Agenten melden. Menschen entscheiden.

HAI macht Arbeit mit Agenten begrenzt, überprüfbar und in menschlicher Hand. Das Studium ist ein Ort, an dem das jeden Tag halten muss.